Ausführliches Interview mit Bud Spencer von 1972

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CharlieFirpo
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Ausführliches Interview mit Bud Spencer von 1972

Beitrag von CharlieFirpo »

Aus dem Jahr 1972
Bud Spencer spricht über seine bisherige Karriere
von Lina Coletti

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Nach seiner Rolle als Coburn Thompson in Maurizio Lucidis "Halleluja... Amigo" ist der inzwischen sehr populäre Bud Spencer, geboren als Carlo Pedersoli, ein ehemaliger Schwimmmeister, der dank der beiden erfolgreichen Filme der Trinity-Western-Saga zum neuen Filmstar wurde, bereits einer der gefragtesten und bestbezahlten Schauspieler Italiens. Lina Coletti traf ihn und interviewte ihn für die Wochenzeitung "La Epoca".

Mr. Spencer...

Pedersoli.

Stimmt, ich vergaß: Das Alter Ego von "Trinity", dem guten Riesen der erfolgreichsten Western der letzten Jahre, ist sehr italienisch. Aus Neapel, um genau zu sein.

Genau.

Was für eine Geschichte: Sie haben zwei Filme im Alter von vierzig Jahren gedreht und nun sind sie einer der bestbezahlten Schauspieler, verwöhnt und begehrt vom gesamten italienischen Kino.

Ein unglaubliches Glück, wirklich. Aber fragen Sie mich jetzt nicht, wie sich Erfolg in meinem Alter anfühlt. Das würde mich zwingen, eine zu offensichtliche Antwort zu geben.

Welche denn?

Dass es mir egal ist.

Ehrlich?

Auf jeden Fall. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Ich habe bereits Erfolge erlebt, und zwar den totalen Erfolg. Der, der berauscht...

Ein weiteres Fettnäpfchen: Ich habe vergessen, dass ihre Leistungen als Schwimmer bereits in den Geschichtsbüchern stehen. Ich habe vergessen, dass Sie ein unangefochtener Champion sind, eine Art Tarzan mit der Aufschrift "Italien" auf der Brust. 1949 stellten sie den Rekord von Celio Brunelleschi über die 100 Meter Freistil ein. 1950 wurden sie in Wien Fünfter und durchbrachen die Ein-Minuten-Grenze im Freistil. Und dann die Olympischen Spiele: Helsinki '52, Melbourne '56...

Und danach der Ruhestand.

Freiwillig?

Ja. Ich habe schon immer das Festhalten an etwas verabscheut, wenn es einem entgleitet, den erbärmlichen Versuch, sich um jeden Preis über Wasser zu halten. Mein Credo ist: Wenn es vorbei ist, ist es vorbei, abhaken und nie wieder daran denken.

War es schwer?

Sehr schwer. Ein Schock. Ich war der Champion, wissen Sie? In den Stadien, in den Wohnzimmern, bei den Frauen: überall. Umschmeichelt, verwöhnt, begehrt... Carlo so, Carlo so... Und dann, man denke nur, von einem Tag auf den anderen: die Leere, die absolute, fast greifbare Leere. Glauben Sie mir jetzt? Ich meine: Erfolg ist wie ein Kleid, das man jederzeit ausziehen kann. Wenn es eine Erfahrung ist, die man schon gemacht hat, wird man es nie wieder anziehen. Es ist so, als ob man dagegen immun wäre, das ist alles.

Also keine göttliche Gabe.

Um Himmels willen, nein. Die Anmaßung, sich wie der Auserwählte zu fühlen, überlasse ich denen, die sich, da sie meine Erfahrung nicht gemacht haben, im Rang eines Schauspielers wiederfinden und absurd, pathetisch und geschichtsvergessen werden.

Sie meinen die Welt des Kinos...

Es ist absurd, erbärmlich und geschichtsvergessen, dass es aus solchen Leuten besteht.

Aber Sie haben sich entschieden, darin zu leben.

Sie haben mich ausgewählt, nicht ich sie. Und sie wählten mich zweimal: das erste Mal war 1950, eine lustige kleine Geschichte, ich, der neben dem Schwimmen auch Autos verkaufte, tauchte am Set von "Torpedomänner greifen an" auf, weil ich ein Geschäft mit dem Regisseur machen wollte, und sobald er mich sah, zog er mich aus dem Auto, verkleidete mich als Fähnrich und stellte mich an eine Wand. Er umging das Vorsprechen und schrieb eine Rolle für mich. Eine sehr kleine Rolle, natürlich. Aber dann wollten sie mich für fünf weitere Filme, darunter "In einem andern Land". Kleine Rollen, kein wichtiges Zeug. Es machte mir Spaß und so machte ich es. Aber da ich nicht reif genug für das Umfeld war, sage ich ab einem gewissen Punkt danke, ich habe kein Interesse mehr und ging zurück zu meinem Geschäften und dem Sport.

Und was passierte?

Es vergingen weitere fast zwanzig Jahre, das Jahr 1967 kam, ich arbeitete an Werbung, Slogans und so weiter, als mich eines Tages der Regisseur Colizzi anrief. Er sagte: "Ich habe einen ziemlich guten Western, dafür brauche ich einen großen Mann, ich kenne dich noch aus deiner Schwimmzeit und habe an dich gedacht." Also gut, sagte ich. Da es Sommer ist, hatte ich die Aussicht auf zwei ziemlich leere Monate vor mir, und in meinem Leben habe ich noch nie die Chance auf neue Erfahrungen ausgeschlagen, also nahm ich an. Aber wenn man darüber nachdenkt, war es auch verrückt.

Warum?

Naja, ich hatte im Grunde noch nie ein Pferd aus der Nähe gesehen, außer in den Filmen. Außerdem war ich dazu bestimmt, die Rolle eines sanften Riesen zu spielen, der die Lizenz hat, den Leuten die Fresse einzuschlagen, aber wenn es etwas gab, das ich nicht mochte, dann war es, Schläge zu verteilen. Aus produktionstechnischen Gründen musste der Film auch noch auf Englisch gedreht werden und Englisch war eine der wenigen Sprachen mit denen ich nichts anfangen konnte. Aber vor allem, weil ich da schon so blind wie ein Maulwurf war. Sie wissen, das Chlor in Schwimmbädern ist tödlich. Und zwölf Dioptrien sind eine Menge. Vor allem für diejenigen, die Filme wie meine machen: Eine Mischung aus Schlägereien, Verfolgungen, aufwändigen Stunts...

BOHNEN? ICH HASSE DIESE EKLIGEN KLEINEN GEMÜSEDINGER.

Dieser Western war dennoch ein großer Erfolg. Er hieß "Gott vergibt, Django nie". Danach kam "Vier für ein Ave Maria" und es war ein weiterer Knüller. Und schließlich kam die "Trinity"-Serie, mit ihrer seichten Gewalt, ihrem Humor, ihren komischen Gags, gemischt mit den traditionellen Zutaten, Gut gegen Böse, hübsche Mädchen und schräge Nebenfiguren...

Und den Bohnen! Ich würde sagen, dass Trinity eine weitere obligatorische Szene in das Genre eingeführt hat: Die des Tellers mit den Bohnen. Mittlerweile gibt es keinen Western mehr, der darauf verzichet. Ob nun der Gute oder der Böse an der Reihe ist, spielt keine Rolle, Hauptsache, sie sind da. Eine Pfanne in der einen Hand, ein Holzlöffel in der anderen und der Held, der sie isst, während er denkt, sich konzentriert, plaudert, streitet, zuhört, Befehle gibt oder Pläne macht. Und wenn es etwas gibt, das ich hasse, dann sind es diese ekligen kleinen Gemüsedinger.

Trinity, ist...

"Trinity" ist ein Märchen. Ein schönes, sauberes Märchen, das im Westen spielt.

Und während Terence Hill, der in Italien als Mario Girotti geboren wurde, den Helden verkörpert, spielen Sie "Bambino", hundertzwanzig Kilo schwer mit einem gigantischen Herz. "Der Riese mit der klirrenden Faust", wie die Plakate schreiben. Eine Art Robin Hood der Prärie, bereit, die unterschiedlichsten Situationen mit seinen Fäusten zu lösen. Eine Figur, die das Publikum sofort liebte, egal ob Kleinkinder, Hausfrauen oder Rentner.

Weil die Ersteren in ihm die Stärke, die Loyalität und den Mut erkennen, die sie in ihren Vätern entdecken möchten. Und die Väter entdecken dort eine unbewusste Rechtfertigung ihrer eigenen täglichen Dramen. Meine Verteidigung der Schwächsten wird unbewusst zu der gewünschten Verteidigung vor dem Mobbing des Büroleiters, des Vorarbeiters oder der Vorarbeiterin, verstehen Sie? Und dann sind da noch die Frauen. Körperlich ist es klar, dass sie mich ignorieren. Mein Partner ist zu gutaussehend und sie lieben ihn. Sagen wir, sie lieben mich aus Reflex, das ist alles.

Wie auch immer, sie lieben Sie. Sie sind ein reicher Mann, Pedersoli. Fünf Jahre in diesem Job und fast auf Anhieb zwei Filme, die auf der ganzen Welt Milliarden eingespielt haben. Zwei Filme, die mittlerweile zum Allgemeinwesen gehören, sie gehören zur Kinogeschichte und haben ihr Honorar in schwindelerregende Höhen katapultiert.

Es sind vor allem zwei Filme, die die Hoffnungen einer immer mehr in Bedrängnis geratenen Branche neu entfacht haben.

Das ist wahr, es scheint, dass man keinen Western mehr machen kann, wenn er nicht gleichzeitig eine Parodie der Gewalt ist. Fast jeder hat es versucht und sich mit bemerkenswert schlechtem Geschmack auf Helden gestürzt, die so unglaubliche Namen tragen wie Camposanto, Spirito Santo, Alleluja...

Aber keiner war so erfolgreich wie wir, weil keiner von der Offenheit und Aufrichtigkeit unserer Skripte getragen wurde.

DER DRITTE TRINITY IST IN DER PIPELINE.

Die andere Seite der Medaille ist jedoch, dass Sie riskieren auf das Klischee des gutmütigen Riesens, der auch bisschen minderbemittelt ist, festgelegt zu werden.

Ganz und gar nicht. Ich habe bereits andere Filme gemacht und das werde ich auch weiterhin machen. Ich habe "Gott mit uns" mit Montaldo gedreht, "Vier Fliegen mit grauem Samt" mit Argento und das waren moderne Rollen, sehr aktuell. Jetzt werde ich mit Lizzani eine Geschichte über südliche Einwanderer drehen. Und dann werde ich ein Gangster aus den 1930er Jahren sein und später dann ein Polizeikommissar. Wie Sie sehen können, ich lege mich nicht fest. Auch nicht mit "Sie verkaufen den Tod", der oberflächlich betrachtet, weil es Pferde, Schießereien und Überfälle gibt, wie ein Western wirken mag, der aber stattdessen eine dramatische Geschichte des Sezessionskrieges ist, mit einer Figur für mich, die rau und unkultiviert, aber auch extrem klug und intelligent ist.

Sie vergessen "Halleluja... Amigo". In ihren letzten Film spielen sie eine Rolle, die von den anderen wie mit Kohlepapier abgepaust zu seien scheint.

Dort war ich alleiniger Hauptprotagonist und konnte meine Rolle spielen, ich habe da den einfachsten Weg gewählt.

Alleiniger Protagonist, sagen sie. Bedeutet das, dass sie genug vom Duo Bud Spencer/Terence Hill haben? Heißt das, dass es Sie nicht mehr befriedigt, ein Nebendarsteller zu sein?

Nein, absolut nicht. Der dritte Trinity ist bereits in der Pipeline und, wieder mit Terence Hill, planen wir einen Film über zwei Flieger, die ein bisschen verrückt sind. Das bedeutet aber nicht, dass ich ihn geheiratet habe, dass wir Franchi und Ingrassia des Westens sind. Sehen Sie, ich habe den Körper eines Nebendarstellers und das ist für mich in Ordnung. Auch deshalb, weil die Ära des gutaussehenden, schlanken, hageren Stars längst vorbei ist, wie Sie feststellen müssen. Denken Sie an Lee Marvin, James Coburn, Steve McQueen, was waren sie? Charaktere, bei denen die Unmittelbarkeit des Ausdrucks das Fehlen eines perfekten Gesichts und eines statuenhaften Körperbaus wettmachte. Und doch wurden sie zu unangefochtenen Stars, vielleicht gerade weil Schönheit am Ende auch eine Einschränkung sein kann.

In welchem Sinne?

In dem Sinne, dass die Möglichkeit des Ausdrucks durch andere Belange behindert wird: wie sie dich aussehen lassen, wie sie dich kleiden, wie sie dich in Szene setzen...

Kurz gesagt, sie sind zufrieden.

Ja. Ich bin erfolgreich und ich bin zufrieden. Ich akzeptiere den Mittelweg nicht, das habe ich Ihnen schon gesagt. Denken Sie an die Zeit zurück, als ich im Sport "groß" war und mich zurückgezogen habe. Mein Credo war immer: Wenn du es nicht schaffst, hör auf und fang neu an.

EIN MENSCH OHNE WERTE IST EINE BESTIE.

Aber sie müssen zugeben, dass ein Neuanfang mit siebenundzwanzig eine Sache ist und ein Neuanfang mit zweiundvierzig eine andere.

Nein, das Alter hat nichts damit zu tun, es geht um Stärke, Mut, Entschlossenheit und Reife. Es geht darum, klare Vorstellungen zu haben. Ich persönlich habe schon oft neu angefangen, beim ersten Mal war ich erst sechzehn. Hören Sie mir zu: Geboren in Neapel, als Sohn eines Industriellen, der mit dem Krieg unterging und nun ein einfacher Angestellter geworden war. Ich hatte eine Kindheit, die ruhig und gelassen verlief, eine wunderbare Atmosphäre zu Hause, ein Studium voller Zufriedenheit, Freunde, die immer bereit waren, mich zu verarschen und eine Menge schöner Mädchen um mich herum. Und doch, mit sechzehn, war es vorbei. Anscheinend hatte ich alles: sogar einen frühzeitigen Eintritt an der Universität, Fakultät für Chemie, dank eines Monster-Gedächtnisses, das mir erlaubte, die fünfte Klasse, das fünfte Gymnasium und die dritte Oberstufe zu überspringen. Sogar das Schwimmen, trotz der Meinung jenes ungarischen Technikers, der mich vier Jahre zuvor aus dem Schwimmbad geworfen hatte und mir prophezeite, dass ich nie etwas erreichen würde, gab mir viel Befriedigung. Aber ich sollte auch nicht mehr schwimmen. Wir gingen nach Brasilien, das sollte zuerst nur ein paar Monate dauern, aber es dauerte dann sechs Jahre. Ich habe im Hafen von Buenos Aires gearbeitet, ich habe in den Labors von Du Pont in Rio de Janeiro gearbeitet, ich habe als Rettungsschwimmer und Bibliothekar gearbeitet. Und in der Zwischenzeit studierte ich: bis zu dem Punkt, dass ich mein Abitur in Portugiesisch abgab und mich an der Universität einschrieb: dieses Mal an der juristischen Fakultät. Bis ich eines Tages zufällig Binetti, den ehemaligen Generalpräsidenten von Lazio, traf. Er sagte zu mir: Du bist verrückt, Junge, das Schwimmen aufzugeben; komm mit mir zurück nach Italien. Ich ging zurück. Und ich versichere Ihnen, dass es trotzdem ein harter Start bei Null war.

Doch der Erfolg stellte sich bei ihnen fast sofort ein. In Salsomaggiore gibt es, wenn ich mich nicht irre, eine Gedenktafel für ihren frühen Erfolg.

Ja, Erfolg. Und mit dem Erfolg kamen Frauen, Reisen, bessere Hotels, jubelnde Fans ... und Neid. Es ist seltsam. Wenn ich zurückdenke, wird mir klar, dass es keinen großen Unterschied zwischen dieser Welt und der Welt des Kinos gibt. Ich meine, in beiden ist die Konkurrenz verrückt, beide bestehen aus einer Gruppe von Leuten, die bereit sind, sich gegenseitig zu zerfleischen, um an die Spitze zu kommen. Jedenfalls ist es wahr: Von meinem zwanzigsten bis siebenundzwanzigsten Lebensjahr führte ich ein tranceartiges Leben. Sie wissen schon: der Enthusiasmus, die Begeisterung... die Leere danach war absolut.

Und wie haben Sie reagiert?

Indem ich in das einzige Land ging, das ich nicht kannte: Venezuela.

Wozu?

Ich baute Dschungelstraßen unterhalb von Maracaibo. Zwölf Monate: Zeit, um den Kopf frei zu bekommen und festzustellen, dass ich es alles in allem schaffen kann.

Und dann?

Dann ging ich nach Caracas, als Werbeleiter für eine Autofirma. Ein Jahr später war ich jedoch wieder in Italien.

Warum?

Ich hatte gefunden, was ich suchte.

Und das war?

Die Kunst, zu wissen, wie man verliert. Aber vor allem die Entdeckung, dass ein Mensch ohne Werte kein Mensch ist: Er ist eine Bestie.

Das verstehe ich nicht.

Dabei ist es ganz einfach. Unbewusst war ich drei Jahre lang herumgewandert mit einem einzigen Ziel: mich selbst zu entdecken. Und mittlerweile war mir klar, was ich wollte: mich durch Erfahrungen, was auch immer das sein mochte, selbst verwirklichen. Als ich also den Drang nach Musik verspürte, widmete ich mich der Musik. Ich habe mehrere Stücke geschrieben, sogar wichtige, sogar den Text des Soundtracks von "Cleopatra" und eine Melodie, die Ornella Vanoni zum Erfolg brachte: "Ogni sera". Ich war bei RCA unter Vertrag, es ging mir gut, und an einem bestimmten Punkt sagte ich dennoch, es ist genug. Sehen Sie, ohne Musik studiert zu haben, ohne die technischen Mittel zu beherrschen, konnte ich mich nicht so ausdrücken, wie ich es gerne getan hätte, und dann habe ich, immer wegen des Perfektionismus, der wie eine Manie ist, alles aufgegeben und bin zur Werbung gewechselt und dort geblieben, bis das Kino kam, um mich davon abzulenken.

Wo sie sich problemlos durchsetzten, ohne das Handwerk gelernt zu haben.

Da haben sie recht. Ich habe mich nicht im Kino, sondern im Leben durchgeschlagen.

Allerdings immer unterstützt von einer guten Portion Glück.

Also gut, ich bin ein glücklicher Mann. Aber nicht, weil ich erfolgreich bin.

Weshalb dann?

Weil ich eine Menge Erfahrung gesammelt habe. Denn ich habe gelernt, zu verlieren und neu anzufangen. Und vor allem, weil ich erkannt habe, wie unverzichtbar die Rückschläge sind. Zu reifen, zu wählen, zu bewerten, zu leiden.

Der übliche Kreislauf?

Es ist wahr: Es die Grundlage meiner Existenz. Aber denken Sie zurück an die Zeit des Schwimmens, meine erste Lebenslektion. Sehen Sie, Mannschaftssport bietet schon mildernde Umstände, denn man verliert, aber es ist schwierig festzustellen, "der ist schuld und nicht der andere"; Individualsport hat das nicht, hier herrscht schrecklicher Absolutismus, es gibt verrückte Emotionen und Enttäuschungen, denn man verliert alleine, man verliert gegen eine Stoppuhr. Wissen Sie, ich habe drei Kinder und ich bin sehr entschlossen: Wenn sie groß sind, werden sie tun, was sie wollen, Schauspieler, Clowns, Wanderer: Das ist mir egal. Aber sie müssen lernen, zu verlieren, zu leiden, "innerlich" stark zu sein, und dafür ist Sport ein gutes Mittel. Daher müssen sie Sport machen. Kinder! Das Größte, was ein Mann haben kann. Die Fortsetzung von dir selbst. Wesen, die sich wie du bewegen, die aussehen wie du... die einzige Liebe ohne Gegenleistung, das ist es. Eine einseitige Liebe. Eine Frau lieben Sie und wollen zurückgeliebt werden, einen Freund lieben Sie und wollen zurückgeliebt werden...

Gilt das auch für Sie? Ich meine: Sie wirken nicht wie jemand, der dieses Bedürfnis in besonderer Weise verspürt.

Vielleicht nicht. Und alles in allem ist es ein Glücksfall.

Warum?

Denn je mehr Sie mit sich selbst zufrieden sind, desto mehr können Sie den Menschen um Sie herum geben.

Haben Sie keine Angst vor Einsamkeit?

Nein. Das sind nur diejenigen, die nicht den Mut haben, sich so zu zeigen, wie sie sind: schüchtern, wenn sie schüchtern sind, arrogant, wenn sie arrogant sind. Hier ist eine weitere meiner Maximen: Wirf die Hülle ab, die du für dich selbst aufgebaut hast, oder die sie für dich aufgebaut haben, und sofort werden Liebe, Sympathie, Verständnis um dich herum geboren werden... Sei jedoch vorsichtig: Mache nicht den Fehler, zu viel von den Menschen zu erwarten, gib der menschlichen Dimension nicht einen größeren Wert, als sie hat: Der Mensch ist ein intelligentes Tier, aber immer noch ein Tier.

Was für eine Überraschung. Einen Philosophen unter dem zotteligen Bart des dicken Riesen zu entdecken, meine ich.

Und an dieser Stelle möchte ich Ihnen zwei Sprichwörter mit auf den Weg geben. Erinnern Sie sich an sie: Sie enthalten das Wesentliche des Lebens. Die erste ist chinesisch. Es heißt: "Man kann nicht lieben, wenn man Bauchweh hat." Das zweite ist Spanisch. Es heißt: 'Alles, was man suchen muss, ist Gesundheit, Geld und Zeit, um es auszugeben'.

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CharlieFirpo
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Re: Ausführliches Interview mit Bud Spencer von 1972

Beitrag von CharlieFirpo »

Interessant ist, dass er hier noch von einem dritten Trinity-Film spricht. Aus dem ist ja leider nichts geworden. Darüber hinaus erwähnt er aber gleich noch fünf (!) weitere kommende Projekte, die dann auch alle realisiert wurden. Das zeigt zum einen wie sehr Bud damals gefragt war und auch wie weit er schon im voraus plante. Bemerkenswert finde ich auch, dass er hier selbst erzählt, dass er schon damals beim Start seiner Filmkarriere fast blind war.

Ansonsten bleibt festzuhalten, dass sich Interviews mit Bud von 1972 nicht allzu sehr von denen unterscheiden, die er als alter Mann gegeben hat. Dennoch finde ich es immer spannend solche Zeitzeugnisse zu lesen.

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Genesis
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Re: Ausführliches Interview mit Bud Spencer von 1972

Beitrag von Genesis »

Vielleicht ist mit dem 3. Trinity "Verflucht, verdammt.." gemeint. Da soll ja auch Bud im Gespräch für die Rolle des Bull Smith gewesen sein, was aber für Bud nicht mehr akzeptabel war, nach den Erfolgen der ersten Trinity`s nur noch einer von 3 Nebendarstellern zu sein. Davon ist zumindest im Bonusmaterial auf einer der DVDs erzählt worden.

Als ich in den 90ern eine Videokasette von "2 vom Affen gebissen" im Verleih gefunden hab, hab ich aufgrund der Beschreibung (der müde Joe und der Kleine) anfangs geglaubt, dass das ein unbekannter 3. Trinity ist. Und davor hab ich noch gedacht, inzwischen alle Duo-Filme zu kennen. Ganz zu schweigen von der verschiedenen deutschen Fassungen :mrgreen:

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Maiky
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Re: Ausführliches Interview mit Bud Spencer von 1972

Beitrag von Maiky »

Diese Art Zeitdokumente sind in der Tat unfassbar spannend, gar keine Frage! Habt ihr aber den original Wortlaut des spanischen Sprichwortes irgendwie parat? So in der direkten Übersetzung hinterlässt auch das --- zumindest bei mir --- einmal mehr den seltsamen Beigeschmack um die "Person" Bud Spencer's, den auch Wolfgang Hess seinerzeit im Bonus-Interview thematisierte und im Nachgang (überhaupt) allein die Existenz dieser vier Schwarzkopf-Schwarten am Ende nur noch einmal bestätigen würde. Aber gut, sei's drum, "Auch die Engel kau'n Tofu" 🪂📼

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Chickadee
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Re: Ausführliches Interview mit Bud Spencer von 1972

Beitrag von Chickadee »

Die letzte Frage im italienischen Original:

Che sorpresa. Scoprire un filosofo sotto la barba arruffata del gigante tutto ciccia, voglio dire.

«E io a questo punto voglio regalarle due proverbi. Se li ricordi: contengono il succo della vita. Il primo è cinese. Dice: “Non puoi amare se hai mal di stomaco”. Il secondo è spagnolo. Dice: “Tutto quello che devi cercare è salute, denaro e tempo per spenderlo”».

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cesar
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Re: Ausführliches Interview mit Bud Spencer von 1972

Beitrag von cesar »

Sehr schön, wo habt ihr dieses Interview denn ausgegraben bzw. wie seid ihr darauf gestoßen?

Und gibt es die Gedenktafel in Salsomaggiore noch?

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CharlieFirpo
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Re: Ausführliches Interview mit Bud Spencer von 1972

Beitrag von CharlieFirpo »

Das Interview hat letzte Woche jemand in einer italienischen Facebook-Gruppe über die 70er-Jahre gepostet, in der Dennis vor vielen Monaten mal gelandet ist. Wir haben dann noch ein paar Tage gebraucht, bis wir uns an die Übersetzung gemacht haben.

Die Frage nach der Gedenktafel haben wir uns auch gestellt. Wir haben in dem Interview das erste Mal davon gehört. Keine Ahnung, ob es die noch dort gibt.

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Re: Ausführliches Interview mit Bud Spencer von 1972

Beitrag von CharlieFirpo »

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Eine kurze Recherche über die Gedenktafel von damals hat zu einem etwas überraschenden Ergebnis geführt. Über eine schon damals vorhandene Gedenktafel habe ich nichts gefunden, aber im letzten Jahr wurde zum 70. Jahrestag des Rekordrennens in Salsomaggiore Terme eine neue Gedenktafel in dem Schwimmbad, das auch heute noch existiert, eingeweiht. Geschaffen hat dieses Flachrelief der Bildhauer Mauro Becchi auf der Grundlage einiger Zeichnungen von Grund- und Mittelschülern der Stadt. Über die Qualität des Motivs lässt sich daher streiten, mir persönlich gefällt es beispielsweise nicht, aber eine schöne Geste ist es natürlich dennoch.

Edit: Das Bild oben zeigt das Plakatmotiv, mit dem in der Stadt für das Einweihungsevent geworben wurde. Dies stammt von den Grund- und Mittelschülern. Das eigentliche Relief des Künstlers sieht zum Glück deutlich besser aus:

Bild

Bild
Unter dem Relief steht:
Das Flachrelief ist das Werk des Bildhauers und Künstlers Mauro Becchi aus Tabiano.

Geschaffen aus einer Platte aus "weißem Carrara-Marmor" erzählt es in Anlehnung an die sportliche Leistung wichtige Momente aus dem Leben von Carlo Pedersoli, in der Filmwelt besser bekannt als Bud Spencer.

Der Athlet schwimmt und die Wellen repräsentieren die "Kinofilme", während der Engelsflügel, neben der Hommage an den 2016 verstorbenen Menschen, an zwei seiner wichtigen Filme erinnert: "Anche gli angeli mangiano fagioli" (Auch die Engel essen Bohnen) von 1972 und "Noi siamo Angeli" (Zwei Engel mit vier Fäusten) von 1996.

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cesar
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Re: Ausführliches Interview mit Bud Spencer von 1972

Beitrag von cesar »

Sehr gut, vor allem die Fans von "Zwei Engel mit vier Fäusten" haben mit dieser Tafel nun einen neuen Pilgerort. Diese Station darf zukünftig auf keiner "Zwei Engel mit vier Fäusten"-Fanreise fehlen!! :D :lol:

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Crippler22
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Re: Ausführliches Interview mit Bud Spencer von 1972

Beitrag von Crippler22 »

Geht das nur mir so, oder scheint die Armhaltung des Schwimmers anatomisch gesehen tatsächlich etwas merkwürdig auszusehen (um nicht zu sagen: so nicht möglich)? :)

Und was, zur Hölle, kommt da eigentlich aus seiner Hand??? Die "Feuerwalze" des Dampfhammers? :)

Nun ja... ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn man Carlo auf dem Relief auch wirklich erkannt hätte... insofern finde ich die Idee, welche der Zeichnung zugrunde liegt, eigentlich wesentlich besser als das fertige Relief...

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